Traum
Manchmal möchte ich dem Rhythmus der Stadt nicht mehr folgen. Manchmal reißt mich das Leben mit sich, trägt mich durch Straßen, vorbei an fremden Gesichtern und flüchtigen Augenblicken, ohne mir einen Moment zum Innehalten zu lassen. Irgendwo zwischen dem Lärm der Straßen, dem Schreien der Autos und den Gebäuden, die sich Stockwerk um Stockwerk in den Himmel stapeln, suchte ich nach einem Ort, an dem ich mich verlieren konnte. Und plötzlich war sie da.
Eine Tür. Klein, beinahe unscheinbar, mitten im Chaos der Stadt. Als hätte sie all die Jahre auf mich gewartet. Ich musste mich ein wenig verbeugen, um hindurchzugehen. Vielleicht war es genau das, was dieser Ort von mir verlangte: für einen Augenblick die Welt draußen zurückzulassen. Und dann stand ich dort.
Die Stadt war noch da. Doch ihr Lärm schien mich nicht mehr erreichen zu können. Vor mir erhoben sich alte Säulen. Seit Jahrhunderten standen sie an diesem Ort, schweigend, als hätten sie längst aufgehört, die Zeit zu zählen. Zwischen ihnen streckten Bäume ihre Äste aus, als wollten sie dem Stein die Hand reichen. Es war, als hätten sie über all die Jahre gelernt, miteinander zu leben. Der Stein hatte dem Baum Raum gegeben, und der Baum hatte dem Stein etwas von seiner Lebendigkeit geschenkt. Das leise Plätschern des Wassers erfüllte den Raum. Eine Melodie ohne Anfang und Ende.
Ich blieb stehen. Zum ersten Mal an diesem Tag hatte ich nicht das Gefühl, irgendwohin gehen zu müssen. Vielleicht hatte ich diesen Ort gar nicht gesucht. Vielleicht war er schon immer da gewesen, verborgen zwischen all den Straßen, durch die ich so oft gegangen war, ohne wirklich hinzusehen. Und vielleicht hatte die Stadt, die mich manchmal mit ihrer Geschwindigkeit zu verschlingen droht, mir für einen Augenblick ihr Innerstes geöffnet. Einen Ort, an dem selbst sie zur Ruhe kommt.
Vielleicht war ich nicht in einen Traum geraten. Vielleicht hatte ich nur einen Ort gefunden, von dem die Stadt selbst träumt.