Telefonzelle
Ich sah zufällig eine Telefonzelle am Rand der Straße, als hätte die Stadt sie vergessen.
Das Glas stumpf, das Metall kalt. Und trotzdem wirkte sie, als würde sie warten. Tag für Tag. Monat für Monat. Jahr für Jahr.
Dann ein Klingeln.
Erst leise, als wäre es nur in meiner Erinnerung.
Dann schärfer. Dringlicher.
Die Stadt blieb in Bewegung, aber in mir wurde alles langsam. Meine Schritte verloren ihren Rhythmus. Als hätte jemand den Ton der Welt heruntergedreht, nur damit dieses Klingeln Platz bekommt.
Ich stand vor ihr.
Das Licht darin flackerte.
Und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass nicht die Telefonzelle klingelt sondern etwas in mir.
Ich hob den Hörer ab.
Stille.
Eine Sekunde lang dachte ich, ich hätte mir alles eingebildet.
Und genau in dieser Sekunde riss etwas auf: als würde ein altes Tonband zurücklaufen Gesichter, Sätze, Türen, die nie wieder aufgehen.
Meine Augen wurden nass, bevor ich überhaupt wusste, warum.
Ich hielt den Hörer fest, als könnte er etwas retten.
Nicht die Vergangenheit nur diesen einen Moment.
Dann war das Klingeln weg.
Und was blieb, war nur mein Atem im Plastik des Hörers.
Ich wünschte, unser Ende wäre nicht hier passiert.
Nicht hinter Glas.
Nicht in einer Zelle.