Süß wird bitter
Manchmal verstehe ich die Welt nicht.
Nicht als Idee als Gefühl.
So, als würde ich in einem Film sitzen, der plötzlich die Tonspur wechselt, ohne mich zu fragen.
Eben noch ist alles süß:
ein Satz, der leicht klingt, ein Blick, der warm ist,
ein Nachmittag, der so tut, als hätte er Zeit.
Und dann, ohne Warnung, kippt es.
Die Luft wird dünner.
Ein Wort kommt falsch an.
Ein Schweigen wird schwer.
Und was eben noch weich war, schmeckt plötzlich bitter.
Ich habe immer diesen Drang, aufzubauen.
Ich sehe vor mir, wie etwas werden könnte:
ein Raum, der hält, ein Gespräch, das nicht verletzt,
eine Nähe, die nicht gleich wieder verschwindet.
Ich fange an, Stein auf Stein.
Und wenn ich mich umdrehe, steht da wieder etwas Halbfertiges,
ein Rohbau, der nie bewohnt wird.
Eine Ruine, die aussieht wie ein Versprechen, das zu früh aufgegeben hat.
Ich wollte verstehen.
Ich wollte begreifen, warum Menschen sich verletzen, obwohl sie Nähe wollen.
Warum sie drücken, wenn sie eigentlich umarmen könnten.
Ich habe gefragt, zu viel vielleicht.
Ich habe gesucht nach Sinn, nach Ursache, nach einem Punkt, an dem alles logisch wird.
Und am Ende sitze ich doch wieder in einer Ecke.
Nicht dramatisch.
Einfach so: als wäre ich aus der Szene gefallen,
während die anderen weitersprechen.
Ich war nie ein Mensch für den Kampf.
Ich konnte nie gut schreien.
Ich wollte nie gewinnen.
Und trotzdem habe ich in jedem Streit verloren
nicht weil ich schwach bin,
sondern weil ich dort nie sein wollte.
Ich habe nach Frieden gesucht.
Nach diesem einfachen Zustand, in dem man atmen kann,
ohne sich zu verteidigen.
Aber der Streit…
der findet mich immer.
Wie ein Schatten, der mitläuft,
auch wenn man schneller geht.