Ich
Wie ein Baum habe ich meine Wurzeln in die Einsamkeit getrieben.
Jahre lang tiefer, Schicht für Schicht, in feuchte, kalte Erde.
Nicht aus Liebe zur Dunkelheit,
sondern aus Hoffnung:
dass ich irgendwann den Himmel erreiche.
Dass ich mich strecken kann, bis Licht meine Blätter findet.
Bis ich endlich frei bin.
Doch manchmal, wenn ich oben stehe,
wenn Wind an mir zieht und alles nach „weiter“ aussieht,
kommt diese Sehnsucht zurück:
nach dem Teil von mir, der unten lebt.
Nach meinen Wurzeln,
die im Druck der Erde gelernt haben zu wachsen.
Vielleicht ist Freiheit nicht nur oben.
Vielleicht ist sie auch dort,
wo es still ist,
wo niemand hinsieht
in der Tiefe.