Frieden

Manchmal ist Frieden kein großer Zustand, sondern etwas Kleines, Körperliches.

Ein Morgen, an dem nichts drängt.

Das erste Licht kriecht über die Häuser. Ein Fenster geht auf, kalte Luft trifft kurz das Gesicht. Die Stadt ist noch halb asleep, aber sie beginnt sich zu bewegen: ein Bus in der Ferne, eine Tür, die ins Schloss fällt, Schritte auf dem Gehweg, der erste Kaffee-Geruch, der irgendwo entweicht. Berlin findet langsam seinen Atem wieder.

In solchen Minuten wird es innen still.

Nicht leer nur geordnet.

Auch wenn jemand nicht da ist, kann etwas bleiben:

die Erinnerung an Freiheit, die man gesehen hat.

An ein Leben, das sich nicht festhalten lässt,

und gerade deshalb beruhigt.

Keine Forderung. Kein „Bleib“.

Nur Weite.

Vielleicht ist das Frieden:

dass Nähe nicht Besitz sein muss.

Dass Entfernung nicht immer Verlust bedeutet.

Dass man den Tag beginnen kann,

ohne etwas zurückzuziehen.