Beziehungen enden in der Wirklichkeit aber in Erinnerungen laufen sie weiter.
Der Abschied passiert einmal. Doch im Kopf beginnt er jeden Tag neu.
Früher war Berlin nur Kulisse, nur Gastgeber: Straßen, durch die man geht, U-Bahn-Geräusche, Cafés, Licht in Fenstern.
Jetzt hat sich die Stadt zusammen mit dir in mir festgesetzt.
Ein Berlin aus Bildern: ein bestimmter Gehweg, ein bestimmtes Schaufenster, eine Ecke, an der du einmal gelacht hast.
Und jedes dieser Details hängt an mir wie Gewicht.
Manchmal wird mein Kopf so schwer, als würde ich zu viel tragen.
Als wäre mein Inneres ein Zimmer, in dem sich zu viele Dinge stapeln: Worte, die nicht gesagt wurden, Orte, die nicht mehr nur Orte sind, sondern Spuren.
Dann ziehe ich mich an.
Mechanisch. Jacke, Schlüssel, Kopfhörer wie eine kleine Rüstung.
Ich gehe raus, weil ich hoffe, dass Bewegung etwas in mir verschiebt.
Draußen ist die Stadt kalt, lebendig, gleichgültig. Menschen gehen an mir vorbei, ohne zu wissen, was in mir passiert. Ampeln wechseln. Autos ziehen Lichtstreifen. Und ich laufe, als hätte ich ein Ziel, obwohl ich eigentlich nur verschwinden will.
Ich verliere mich absichtlich.
Ich biege ab, ohne zu entscheiden. Ich folge Straßen, bis ich nicht mehr weiß, wo ich bin weil es manchmal leichter ist, sich draußen zu verlieren als drinnen.
Irgendwann stehe ich vor einer Buchhandlung.
Das Schaufenster ist hell, warm, ruhig. Bücher liegen gestapelt wie Versprechen.
Ich bleibe stehen und sehe mein Spiegelbild im Glas, überlagert von Titelrücken und Papier. Für einen Moment sieht es so aus, als wäre ich gleichzeitig hier und woanders.
Und ich denke: Vielleicht kann ich es hier lassen.
Nicht alles.
Nur ein bisschen.
Ich stelle mir vor, ich lege meine Erinnerungen in dieses Schaufenster, ganz vorsichtig, wie Gegenstände, die man nicht mehr tragen kann.
Ich drehe mich um und gehe weiter, als hätte ich etwas abgegeben.
Und vielleicht wenn ich später die Tür zu meiner Wohnung aufschließe ist das Licht in meinem Zimmer wieder an.
Nicht weil alles gut ist.
Sondern weil ich wieder atmen kann.