Chungking Express

Manchmal fühlt sich das Leben an, als hätte es eine Kamera.

Nicht sichtbar aber da.

Sie folgt Menschen, die sich nicht kennen, die nur kurz aneinander vorbeistreifen…

und trotzdem einen Schnitt in der Zeit hinterlassen.

Eine Schulter berührt eine andere im Gedränge.

Ein Blick bleibt eine halbe Sekunde zu lang hängen.

Jemand sagt etwas Banales „Entschuldigung“

und plötzlich ist es der Anfang von etwas, das keiner geplant hat.

Ich liebe diese Momente.

Weil sie so tun, als wäre alles möglich.

Im Kino ist es einfach:

Die Geschichte hat Rhythmus.

Die Musik weiß, wann sie kommen muss.

Das Licht fällt genau richtig,

und selbst das Scheitern wirkt wie ein schöner Satz.

Aber draußen…

draußen ist kein Drehbuch.

Nur Tage, die weiterlaufen, als wäre nichts passiert.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte Regisseur sein.

Nicht, um Menschen zu kontrollieren sondern um ihnen einen zweiten Versuch zu geben.

Um den Szenen, die zu früh abgebrochen sind, noch eine Minute zu schenken.

Einen Satz, den man nicht gesagt hat.

Eine Hand, die man nicht gehalten hat.

Ein „Bleib“, das im Hals stecken blieb.

In meinem Kopf mache ich das.

Ich baue mir einen Raum, irgendwo zwischen Erinnerung und Wunsch.

Ein kleines Wohnzimmer, warmes Licht, der Abend steht still.

Du sitzt neben mir auf dem Sofa.

Nicht perfekt.

Nur echt.

Der Film läuft, aber ich schaue kaum hin.

Ich merke nur, wie deine Präsenz den Raum verändert wie die Luft anders wird,

als hätte sie plötzlich Gewicht.

Und dann kommt diese eine Stelle,

wo ich denke:

So hätte es sein können.

Meine größte Schwierigkeit ist die Realität,

weil ich in ihr nichts reparieren kann.

Ich kann sie nicht zurückspulen.

Ich kann nicht „nochmal“ sagen.

Ich kann nicht schneiden, nicht neu arrangieren.

Und manchmal trifft mich das wie ein harter Schnitt.

Ich denke an Florenz.

Nicht als Stadt eher als Möglichkeit.

Als Szene, die wir nie gedreht haben.

Wie wir dort hätten laufen können,

zwischen Licht und Stein,

und das Leben hätte für einen Moment so getan,

als wäre es ein Film, der uns meint.

Und jetzt bleibt mir nur dieses Gefühl:

Dass manche Geschichten nicht scheitern, weil sie falsch waren

sondern weil niemand die Kamera lange genug draufgehalten hat.

Vielleicht ist das mein Versuch:

Sie trotzdem weiterzuerzählen.

Nach dem Abspann.

Leise.

In mir.