Du
Als ich dich sah, wurde es in mir still.
Nicht romantisch still eher so, als würde etwas, das die ganze Zeit gedröhnt hat, plötzlich aufhören.
Später saßest du mir gegenüber.
Der Tisch zwischen uns war schmal, aber er fühlte sich an wie eine Grenze.
Kerzenlicht flackerte. Es legte sich auf dein Gesicht, zog sich zurück, kam wieder.
Deine Augen nahmen das Licht an und gaben es nicht zurück.
Ich dachte: Wenn ich diesen Moment verliere, verliere ich etwas in mir.
Also hielt ich ihn fest nicht mit den Händen.
Mit Blicken. Mit Atem. Mit Erinnerung.
Ich wollte dich sehen, wie du bist.
Nicht, wie ich dich brauche.
Nicht, wie ich dich in mir weiterzeichne, wenn du nicht da bist.
Aber genau das ist passiert.
Du bist in mir zu einer Szene geworden.
Zu einem Bild, das immer wieder anfängt:
Tisch. Kerze. Deine Augen.
Und ich, der nicht weiß, wohin mit all dem, was er fühlt.
Seitdem schaue ich in die Welt, als wäre alles ein bisschen zu hell.
Als hätte ich die Blende zu weit offen gelassen.
Jede kleine Regung tut mehr, als sie sollte.
Und wenn ich an dich denke, kommt zuerst nicht dein Name
sondern dieses Licht auf deinem Gesicht.
Jetzt lebe ich mit dieser Szene.
Und ich übe, sie anzusehen, ohne mich darin zu verlieren.